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Aus dem Berufsleben professioneller Berater


Es ist einer der seltenen Momente politischer Wahrheit und Klarheit: Der hochangesehene Unternehmensberater Will Kascorowski, früher Seniorberater der Düsseldorfer Unternehmensberatung Cap Gemini, resümiert seine Erfahrungen im Umgang mit teuer erstellten Gutachten für die öffentliche Hand: "Gelesen, gelacht, gelocht" - dies sei das Schicksal der allermeisten hochpreisigen, aber wenig beachteten Expertisen.

Für Insider der Beraterbranche ist seit langem klar: Die Behörden auf Kommunal-, Landes- und Bundesebene wissen nicht einmal, wie viele Gutachten von wem beauftragt wozu produziert wurden und werden. Jährlich werden tausende externe Gutachten zur Verbesserung des Allgemeinwohls in Auftrag gegeben. Es geht um Hamster, "Gender Mainstreaming", Frauenhäuser, Männergewalt, Steuergerechtigkeit, Trappen, Frösche, Umgehungsstraßen, Müllhalden ... und vor allem um die Privatisierung öffentlicher Dienstleistungen.

SWR-Chefreporter Thomas Leif ging auf Spurensuche ins Dickicht des Beraterwesens.
Der Film „Gelesen, gelacht, gelocht“ zeigte anhand zahlreicher Beispiele, wie banal und oft auch absurd die Fragestellungen und Ergebnisse vieler Gutachten sind. Es entsteht somit das Sittengemälde einer irritierten Republik, die vor lauter Selbstzweifeln kaum mehr rationale Entscheidungen treffen kann.
Warum wird mehr als eine halbe Milliarde Euro ausgegeben für Berater, die das Verteidigungsministerium dabei unterstützen sollen, die Bundeswehr kleiner und schlagkräftiger zu machen?
Warum muss für ein thüringisches 500-Seelen-Dorf eine Studie zum Thema "Gender-Mainstreaming in der Dorferneuerung" gemacht werden?
Wo verläuft die Grenze zwischen "Kommunikations-Beratung" für ein kleines Bundesland und persönlicher PR für den Ministerpräsidenten?

 

 

Tiefere Einblicke in die Priesterkaste der Consultants, wie es neudeutsch etwas aufgebläht heißt, gewinnt man in dem Buch "Versager im Dreiteiler – Wie Unternehmensberater die Wirtschaft ruinieren" des Wirtschaftsjournalisten und Rechtsanwalts Rainer Steppan.

„Am Anfang einer Präsentation brennt der Berater stets ein Feuerwerk von Zahlen ab, entwirft mit zahlreichen Tabellen und Grafiken ein Schreckensszenario, zeigt auf, wie gefährdet die Zukunft des Unternehmens ist. Dann leitet er elegant zu den Fähigkeiten seiner Beratermannschaft über, lässt nebenbei einfließen, wie erfolgreich McKinseys Arbeit bei den Wettbewerbern gewesen sei und kommt schließlich auf die Möglichkeit eines Einsatzes seiner Truppen bei dem potenziellen Kunden zu sprechen. Einsatz? Ein Großeinsatz muss es sein! ‚Impact gibt es ab 40 Beratern‘, soll Henzler stets glaubhaft versichert haben“